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Bilder als Bühne für die eigenen Gefühle (Auszug aus dem Gäuboten)

Autisten malen ihre eigene Welt und zeigen sie in einer Ausstellung in der Ergotherapiepraxis Weiss:

Eine Säule ist übersäht mit Abkürzungen. LSFH steht da, darunter kleingeschrieben: Landschaftsflughafen. Weiter geforscht ergeben sich BCDE für Backcenterdorfecke und andere merkwürdige Wortgeschöpfe. Für einen Autisten sind sie nicht ungewöhnlich, denn er lebt in einer Welt, in der die Fantasie eigenen und oft einsamen Wegen folgt.

Die Ausstellung im Nufringer Hermelink-Haus, organisiert von der Ergotherapiepraxis Reinhilde Weiss, umfasst Werke von insgesamt zehn Autisten, die von überbordender Kreativität, aber auch von Ängsten und Sehnsüchten erzählen. So setzt der 33-jährige Joe Kooker aus Leipzig seine Sehnsucht nach Frauen in Bilder um, in denen eben diese fehlen: Er malt Pullover und Jacken, die Identität der Angebeteten erfindet er hinzu: "Dies ist der Body einer Frau vor dem schiefen Turm von Pisa", erläutert eine Beschriftung. In neueren Bildern finden Menschen Einlass, eine große Leistung für jemanden, dem der zwischenmenschliche Kontakt Probleme bereitet. Übergroße Augen und Nasen, eckige Gesichter- der Maler hebt hervor, was er überdeutlich wahrnimmt. Bei Autismus handelt es sich ja eben um eine andere Art der Wahrnehmung. In den Bildern offenbaren sich darum solche spezifischen Interessen oder Ängste, zum Beispiel vor der Begegnung mit anderen Menschen

So ist Corinna Heidepriem in einer Berliner Theaterwekstatt aktiv, doch niemals vor Publikum. Patrick Ott, in Althütte zu Hause, hat eine ganz eigene Welt erschaffen: in Schaalottoland gibt es Wohnhäuser, Paläste, Parks, Berge uns Seen, doch es ist eine geordnete, akribisch bis ins kleinste Detail ausgearbeitete Welt, die nichts dem Zufall überlässt.

Neben Patrick Ott ist Birek Spranger zur Vernisage anwesend. Er hat, an japanische Mangas angelehnt, ein Comik.Geschichtenbuch mit "Germangas" verfasst, außerdem eine Szene daraus in ein großes Format umgesetzt. Alle Geschichten sind erfunden, erklärt er entschieden.

Die Künstler geben ihrer besonderen Art der Wahrnehmung, ebenso auch ihren Ängsten, eine Gestalt. Umgekehrt wirft mal als Betrachter einen Blick in eine eigenartige Welt, die fasziniert und dem Verstehen hilft. Reinhilde Weiss arbeitet in ihrer Praxis mit autistischen Kindern und Jugendlichen.

Mit dieser Ausstellung anlässlich des Weltautismustages feiert sie ihr zehnjähriges Jubiläum.

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